Retrofit für zukunftsfähige Gebrauchtmaschinen

Eine Neff-Doppelständerpresse DP 200 1000x1200 aus dem Jahr 1990. Das Unternehmen stellte zur Euroblech 2016 sein Retrofit-Programm vor und suchte im Rahmen eines Gewinnspiels nach der ältesten noch im Einsatz befindlichen Presse.(Bild: Neff)

Second-Hand-Anlagen sind auch in modernen Betrieben noch lange einsatzfähig - wenn sie im Rahmen eines sogenannten Retrofits auf den neuesten technischen Stand gebracht werden.

Über die Vorteile von Gebrauchtmaschinen gegenüber neuen Anlagen wurde schon vielfach geschrieben. Vor allem die geringeren Anschaffungskosten gelten als starkes Argument dafür, sich für die Second-Hand-Version zu entscheiden. Um die Leistungsfähigkeit - und damit den ROI - einer Gebrauchtmaschine zu maximieren, sollten Anwender ihre Maschine allerdings im Rahmen eines sogenannten Retrofits nachrüsten.

Nach zehn und mehr Betriebsjahren ist die Mechanik vieler Maschinen noch weitestgehend intakt. Doch andere Komponenten, allen voran die Steuerungs- und Antriebstechnik, entwickeln sich ständig weiter und erhalten neue Funktionen, die eine präzisere, energieeffizientere und wirtschaftlichere Produktion ermöglichen. Um derartige Innovationen auch für Gebrauchtmaschinen zu erschließen, lohnt sich der Austausch von alten Teilen gegen neue.

Modernisieren heißt: Chancen nutzen

Dass dies nicht immer gänzlich unproblematisch ist, beschreibt Siemens in seinem Infoflyer »Maschinenmodernisierung direkt vom Steuerungshersteller». Die Herausforderung beim Retrofit besteht demnach darin, nicht nur eine Technikkomponente auszutauschen, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten moderner Steuerungs- und Antriebstechnik zu nutzen, die dem Betreiber neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Vorteile einer Nachrüstung von Antrieben und/oder Steuerung perfekt in das vorhandene Maschinenkonzept zu integrieren.

So arbeitet der Betreiber mit seiner bewährten Maschine auf dem neuesten Stand der Technik, aber ohne die Notwendigkeit einer kompletten Neuanschaffung. Im Rahmen eines Retrofits wird eine Maschine vor dem Wiedereinsatz in ihre Einzelteile zerlegt, Verschleißteile werden erneuert und defekte Teile ausgetauscht. Damit kann mit geringen Zusatzinvestitionen ein neuwertiger Zustand erreicht und die Lebensdauer zusätzlich verlängert werden.

Durch die Ausnutzung von Nachrüstoptionen, Software-Updates oder sonstiger technischer Maßnahmen können als positiver Nebeneffekt deutlich verbesserte Leistungs- oder Energieverbrauchsdaten erzielt werden.

Geschäftsfeld Retrofitting

Nicht nur Siemens hat mittlerweile die Bedeutung von Retrofit-Angeboten verstanden. Viele Unternehmen setzen auf die wachsende Bedeutung solcher Modernisierungsmaßnahmen.

Der Pressenhersteller Walter Neff GmbH erklärte beispielsweise jüngst im Rahmen der Euroblech, angesichts der aktuellen Regeln des Bestandsschutzes von Maschinen und Anlagen ein umfassendes Retrofit-Programm anbieten zu wollen. Oliver Dörmann, Geschäftsführer des Karlsruher Unternehmens, begründete den erhöhten Fokus auf das Thema auch damit, dass viele Maschinen und Anlagen heute nicht mehr oder nur teilweise den Anforderungen aktueller Maschinenrichtlinien entsprächen. Diese sind unter anderem im deutschen Produktsicherheitsgesetz geregelt. Gebrauchtmaschinen, die bei einem Umbau wesentlich verändert wurden, gelten demnach als neue Maschinen. Ob eine umgebaute Maschine als wesentlich verändert anzusehen ist oder nicht, ist dabei aber nicht immer leicht zu beurteilen. Eine Hilfestellung gibt das Interpretationspapier »Wesentliche Veränderung von Maschinen», der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Ein Betrieb, der eine gebrauchte Maschine erwirbt oder diese umbaut, muss sich demzufolge vor dem erneuten Einsatz vergewissern, dass die Maschine die Anforderungen, die die Betriebssicherheitsverordnung an sie stellt, auch erfüllt.

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